Wenn ein Identity-Governance-&-Administration-System (IGA) live geht, ist die Erleichterung oft groß: Das Projekt ist abgeschlossen, die Technik funktioniert, erste Zugriffsrechte sind vergeben. Doch genau an diesem Punkt beginnt die eigentliche Herausforderung.
Ich habe mehrfach erlebt, dass Unternehmen nach dem Go-Live den Fokus verlieren. Prozesse werden nicht weiter gepflegt, Verantwortlichkeiten bleiben unklar, und nach einiger Zeit tauchen wieder Excel-Listen auf.
Die wichtigste Erkenntnis: Identity Governance & Administration ist kein einmaliges Projekt. Es ist ein dauerhafter Steuerungsprozess.
Warum der laufende Betrieb entscheidet
Ein IGA-System lebt davon, dass es im Alltag funktioniert. Rollen müssen aktuell bleiben, Zugriffe regelmäßig geprüft werden und Ausnahmen nachvollziehbar sein. Passiert das nicht, verliert das Unternehmen schnell den Überblick.
Vom Projekt in den Alltag wechseln
Der Übergang vom Projektbetrieb in den Regelbetrieb ist kritisch. Jetzt braucht es klare Zuständigkeiten:
- Wer pflegt Rollen?
- Wer genehmigt Zugriffe?
- Wer kümmert sich um Ausnahmen?
Ohne diese Klarheit entstehen Lücken und damit Risiken.
Mit Kennzahlen steuern statt nach Gefühl
Damit IGA nicht “gefühlt” funktioniert, braucht es einfache Messgrößen. Zum Beispiel:
- Wie lange dauern Genehmigungen?
- Wie viele Rollen werden regelmäßig überprüft?
- Wie viele kritische Ausnahmen gibt es?
Solche Kennzahlen machen sichtbar, wo es hakt, und helfen, gezielt nachzusteuern.
Veränderungen müssen mitgehen
Organisationen verändern sich ständig: neue Teams, neue Systeme, neue Aufgaben. Das wirkt sich direkt auf Zugriffsrechte aus. Wenn das Rollenmodell nicht angepasst wird, ist es schnell veraltet.
IGA muss diese Veränderungen aufnehmen können, sonst verliert es seinen Nutzen.
Typische Stolpersteine im Alltag
Viele Probleme wiederholen sich von Unternehmen zu Unternehmen:
- Zuständigkeiten sind nicht klar geregelt.
- Rezertifizierungen finden nur statt, wenn ein Audit ansteht.
- Weiterentwicklungen werden aufgeschoben, weil “alles läuft”.
Das führt dazu, dass Zugriffsrechte immer unübersichtlicher werden und das Vertrauen in das System sinkt.
Was erfolgreiche Unternehmen anders machen
Unternehmen, bei denen Identity Governance & Administration dauerhaft funktioniert, behandeln es als Managementaufgabe, nicht als IT-Projekt.
Sie sorgen für:
Klare Betriebsverantwortung
Es ist eindeutig festgelegt, wer für Betrieb, fachliche Freigaben und Ausnahmen zuständig ist.
Regelmäßige Steuerung
Rezertifizierungen, KPI-Reviews und Rollenpflege sind feste Bestandteile des Jahresplans, kein Ausnahmezustand vor dem Audit.
Kontinuierliche Verbesserung
Rollen und Berechtigungen werden regelmäßig überprüft und angepasst, bevor Probleme entstehen.
Fazit
Der Go-Live ist nicht das Ziel, sondern der Startpunkt. Identity Governance & Administration entfaltet ihren Wert nur dann, wenn Betrieb, Rollen, Zugriffsrechte und Verantwortlichkeiten dauerhaft gepflegt werden.
Wer das ernst nimmt, macht IGA zu einem stabilen Steuerungsinstrument statt zu einem Projekt mit Ablaufdatum.
FAQ
Woran merkt man im Alltag, dass Identity Governance & Administration nicht richtig betrieben wird?
Typische Anzeichen sind lange Freigabezeiten, viele manuelle Sonderfälle und Unsicherheit darüber, wer eigentlich Zugriff auf was hat. Spätestens wenn wieder Excel-Listen kursieren oder Audits Stress verursachen, fehlt ein stabiler IGA-Betrieb.
Was sind realistische KPIs für den operativen IGA-Alltag?
Praxisnah sind zum Beispiel: durchschnittliche Dauer von Zugriffsfreigaben, Anteil abgeschlossener Rezertifizierungen pro Quartal und Anzahl offener Ausnahmen. Diese Kennzahlen lassen sich leicht erheben und zeigen schnell, wo Prozesse hängen.
Wie sorgt man dafür, dass IGA dauerhaft funktioniert, auch ohne Projektmodus?
Indem klare Rollen definiert werden (fachlich und technisch), feste Termine für Rezertifizierungen im Kalender stehen und regelmäßig geprüft wird, ob Rollen noch zur Organisation passen. Entscheidend ist: IGA bekommt einen festen Platz im Tagesgeschäft, nicht nur im Audit.